HANNS. A pioneers magazine_2/2026

„Wer heute lernt, mit KI umzugehen, bleibt morgen arbeitsmarktfähig.“

Hanna Brands

Hanna Brands verantwortet bei HOERBIGER die Einführung moderner Arbeitsweisen und Künstlicher Intelligenz. Ihre Aufgabe ist so einfach wie komplex: zwischen IT und Anwendern zu vermitteln und Technologie so zu erklären, dass sie verstanden und genutzt wird.

Hanna Brands verantwortet seit Juni 2025 als Global Modern Work & AI Lead bei HOERBIGER die konzernweite Einführung moderner Arbeitsmethoden und KI-gestützter Werkzeuge. Zuvor war sie als New Work Advisor und Mitglied der Geschäftsleitung beim Beratungshaus Blackboat tätig, wo sie HOERBIGER bereits in beratender Funktion begleitete. Ihre berufliche Laufbahn begann bei der Fielmann AG; dort durchlief sie über sieben Jahre verschiedene Stationen in der Unternehmenskommunikation. Hanna hält einen Bachelor of Science in Business Administration der Fachhochschule Elmshorn und hat sich in den Feldern New Work, interne und Change-Kommunikation sowie Verhandlungsführung weitergebildet.

 

Hanna, Du hast HOERBIGER zunächst als externe Beraterin kennengelernt. Was hat Dich bewogen, die Seiten zu wechseln?

Es war die Art und Weise, mit der bei HOERBIGER gearbeitet wird: ein Austausch auf Augenhöhe, unabhängig von Hierarchie oder Funktion. Zudem hat mich die Internationalität des Teams fasziniert. Es ist die erste Position in meiner Laufbahn, in der ich täglich mit Menschen aus sehr unterschiedlichen Kulturen arbeite. Das ist großartig und bietet mir eine erhebliche Lernkurve. Und schon in den ersten Tagen war erkennbar, welchen Stellenwert die Entwicklung der Mitarbeitenden bei HOERBIGER hat.

Dein Titel lautet „Global Modern Work & AI Lead". Eine Funktionsbezeichnung, die erklärungsbedürftig ist.

Das ist sie in der Tat. Modernes Arbeiten soll Arbeit einfacher, transparenter und wirksamer machen. Im Büro oder remote – über Teams und Standorte hinweg. Meine Aufgabe ist es, zwischen IT und Anwenderinnen und Anwendern zu vermitteln und Technologie so zu erklären, dass sie verstanden und genutzt wird. Hinzu kommt das Themenfeld Künstliche Intelligenz (KI): Wir identifizieren systematisch jene Anwendungsfälle, in denen KI manuelle Tätigkeiten ersetzen und Freiräume für anspruchsvollere Aufgaben schaffen kann.

Modern Work heißt oft: neue Tools, neue Prozesse, neue Gewohnheiten. Veränderung stößt nicht immer auf Begeisterung. Was ist Dein Rezept, damit Mitarbeitende sich darauf einlassen?

Ich höre zu, um herauszufinden, wo die Barrieren sind. Skepsis hat fast immer einen rationalen Kern, und den gilt es zu verstehen, bevor man argumentiert. Parallel arbeite ich gezielt mit jenen, die vorangehen wollen, und nutze sie als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Bemerkenswert finde ich allerdings ein Phänomen: Privat nutzen wir digitale Werkzeuge mit großer Selbstverständlichkeit. Im beruflichen Kontext begegnen wir denselben Werkzeugen mit Vorbehalt. Und das, obwohl kontinuierliche Innovation bei HOERBIGER Produkten eine Selbstverständlichkeit ist.

Du führst bei HOERBIGER gerade Microsoft Copilot ein. Mal ehrlich: Wie groß ist die Begeisterung für KI bei Deinen Kolleginnen und Kollegen?

Größer, als man vermuten könnte. Anders als bei klassischen IT-Themen erschließt sich der Mehrwert von KI durch Ausprobieren rasch. Es gibt Reibungspunkte, zum Beispiel wenn die Maschine Inhalte fabriziert, die nicht stimmen. Aber die Grundhaltung ist offen.

Warum hat sich HOERBIGER für Microsoft Copilot entschieden und nicht für eine der vielen Alternativen am Markt?

Weil es die Lösung ist, die sich am verlässlichsten in unsere Realität einfügt. HOERBIGER arbeitet seit Jahren mit M365, der Cloud-Lösung von Microsoft. Copilot setzt also genau auf den Tools auf, mit denen unsere Mitarbeitenden ohnehin täglich arbeiten. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Thema Sicherheit: Copilot verarbeitet Inhalte innerhalb unserer bestehenden Microsoft-Umgebung, unter den Berechtigungs- und Compliance-Regeln, die wir ohnehin etabliert haben.

HOERBIGER arbeitet eng mit Microsoft zusammen. Was macht diese Partnerschaft so wertvoll?

Microsoft hat uns angeboten, an einem exklusiven Programm für mittelständische Unternehmen teilzunehmen. Die Partnerschaft wirkt in beide Richtungen. Microsoft will verstehen, welche Bedürfnisse wir als mittelständisches Industrieunternehmen mitbringen, und wir lernen, wie ein Technologiekonzern dieser Größenordnung denkt und arbeitet. Wir bekommen dadurch nicht nur einen tiefen Einblick in die aktuelle Technologie, sondern auch in das, was als Nächstes kommt. Durch die Nähe zu den Expertinnen und Experten und den regelmäßigen Austausch über den sinnvollen Einsatz der Werkzeuge bleiben wir am Puls der Entwicklung. Und das ist in diesem Tempo der entscheidende Vorteil.

KI verändert die Arbeitswelt rasant. Wie sollten Kolleginnen und Kollegen damit umgehen?

Der wichtigste Punkt ist für mich: Du musst beurteilen können, was die Technologie kann – und was nicht. Nur wer das kann, ist auch in der Lage einzuschätzen, wie KI das eigene Arbeitsumfeld verändert und wo sich der Einsatz wirklich lohnt. Diese Urteilsfähigkeit erwirbt man sich durch aktive Nutzung, Geduld und den Mut, Dinge auch einmal selbst auszuprobieren. Wer heute lernt, mit KI umzugehen, bleibt morgen arbeitsmarktfähig. Das Gefühl, nie ganz auf dem aktuellen Stand zu sein, gehört dazu.

Was hat Dich zuletzt beim Einsatz der KI positiv überrascht – oder total genervt?

Positiv überrascht hat mich die Qualität der Claude-Modelle von Anthropic, die jene von Open AI aktuell merklich übertreffen. Wir testen sie in begrenztem Rahmen, und der zugehörige Agent übernimmt komplette Aufgaben. Die Autonomie dieser Systeme wächst rasant. Weniger erfreulich ist die Preispolitik der großen Anbieter. Verständlich, dass sie ihre Investitionen refinanzieren müssen. Für Unternehmen entstehen daraus erhebliche Anforderungen an das Kostenmanagement. 

Wenn Du drei Grundregeln für den Umgang mit KI formulieren müsstest – welche wären es? 

Erstens: Bleib neugierig und hab Geduld. Wenn du am Anfang stehst, brauchst du Übung im Prompten. Die ersten Ergebnisse sind selten die besten. Probiere weiter, formuliere um, frag nach. Wer zu früh aufgibt, verschenkt das eigentliche Potenzial.
Zweitens: Nutze ausschließlich die Werkzeuge, die von deiner Organisation freigegeben wurden. Datensicherheit und Datenschutz sollten im Business-Umfeld absolute Priorität haben.
Und last but not least: Prüfe jedes Ergebnis, bevor du es verwendest. Egal ob E-Mail, Dokument oder Präsentation: hinterfrage das Ergebnis und die Quellen. KI ist ein starkes Werkzeug, aber sie irrt sich nach wie vor. Die Verantwortung für das, was wir von der KI übernehmen, liegt bei uns.

Zum Schluss, ganz persönlich: Dich trifft man selten ohne Laptop. Was machst Du, wenn Du tatsächlich mal offline bist?

Wenn ich tatsächlich abschalte, dann auf der Yogamatte. Oder bei einem guten Essen mit Familie und Freunden.

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